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Da nützten auch keine Hinweise
darauf, dass diese Kamera bei Midges Solo-Konzerten bisher kein Problem
gewesen sei; oder dass wir VIP-Karten hätten und die Kamera
wenigstens dort benutzen wollten; und nein, man würde auch nicht
bei der Band anfragen; es gäbe die Anweisung, diese Kameras
nicht zuzulassen. Vielleicht ist das nur in Deutschland so?
Jedenfalls hatten wir auf der aktuellen DVD gerade solch eine
Kamera im Publikum gesehen… Immerhin: Uns blieb das neue
Foto-Handy, mit dem wir ein paar Konzertaufzeichnungen und
ein paar wenige Bilder beim Meet & Greet ergattern konnten. Heute gab es eine Änderung in dem sonst üblichen Tour-Ablauf,
denn es sollte erst das Konzert gegeben werden und danach das
Meet & Greet stattfinden. Die Hamburger Reeperbahn ist berühmt
für ihr Nachtleben, und so sollte die Große Freiheit gleich nach
dem Konzert ihre Türen als Nachtclub wieder öffnen. Also hatte
die Band es für besser gehalten, an diesem Abend die Reihenfolge
zu ändern, weil so dann mehr Zeit für die Fans bleiben konnte.
KONZERT
Das Konzert begann nicht nur laut, sondern auch übersteuert. Die
ersten Stücke waren leider kein Genuss. Wurde es zwischendurch
etwas besser, war „Astradyne“ der Gipfel, die Boxen klirrten
regelrecht und die Stimmung in und um uns herum sank immer mehr.
Ratlose Blicke kreuzten sich - warum bekamen die Techniker das
nicht hin? Eine Frau hielt das nicht aus und verließ das
Konzert, ihr Begleiter blieb. Danach aber passte dann alles, die
Stimmungskurve ging steil nach oben. Kein Gedanke mehr daran,
dass es eine anstrengende Veranstal-tung werden würde. Die Menge
wogte, klatschte sich im Takt zu und sang sowohl eifrig als auch
textsicher mit.
Erinnerungen, bleibende Eindrücke: Midges gesenkte Stimme, die
in eine kurze Stille hinein „Sleeeeepwaaaaalk“ ankündigte und
nahtlos in den Sound der Instrumente überging. Die Light- Show -
rot, grün, blau, kühl, hell oder dezent - ganz nach Musik.
Szenen-Applaus - jedes Mal, wenn Billy sein Saiteninstrument zum
Einsatz brachte oder sein Solo beendete (Bratsche/ Viola oder
Geige? Interessant, aber eigentlich egal, Hauptsache gut).
„White China“ war 2009 nicht dabei, heute schon. „All stood
still“… - nur als Song, sonst nicht machbar. Ultravox braucht
keine Background-Sänger - Ultravox hat das Publikum, das (nicht
nur) die Refrains beherrscht und die Band bestens ergänzt. „Die
Hände zum Himmel“ - sowieso. Im Takt mitklatschen - kein Thema.
Ganz besonders beim E-Drum- Solo von „The Voice“, bei dem nicht
nur Warren sein Schlagzeug bearbeitete, sondern auch Chris,
Midge und Billy den nun vor ihnen stehenden Drums einheizten -
mit uns und für uns. Die Jungs auf der Bühne strahlten, sie
hatten uns erreicht; und wir genossen diese Musik, die uns schon
so viele Jahre begleitet hatte und endlich live zu erleben war.
Alte Herren? Auf dem Papier vielleicht. Musikalisch nicht, da
saß jeder Griff, jede Note war an ihrem Platz, jeder Ton richtig
getroffen. Die Stimmen gereift und live so gut wie im Studio.
Ganz am Ende, nach drei Zugaben, bekam der eine oder andere Fan
einen Drumstick zugeworfen, ein bleibendes Erinnerungsstück. Die
Band wurde fast frenetisch gefeiert und mit großem Beifall
verabschiedet.
MEET & GREET
Beim Einlass zum Meet & Greet wurden unsere Eintritts- und
VIP-Karten ganz genau geprüft, und es wurde niemand weiter
durchgelassen, der diese beiden Tickets nicht zusammen vorweisen
konnte. Dann ging es in kleinen Gruppen nach oben auf die
Galerie, auf der zuvor beim Konzert noch ein Teil des Publikums
gestanden hatte. Während wir darauf warteten an die Reihe zu
kommen, konnten wir unten nebenbei der Crew dabei zusehen, wie
sie mit geübten Griffen Instrumente und Zubehör verstaute.
Zunächst trafen wir auf Billy und Warren, die nebeneinander
saßen und mit dicken Filzstiften die Tour-Poster signierten. Da
Billy am 01.04. Geburtstag gehabt hatte, mussten wir noch
schnell gratulieren. Darüber hat er sich gefreut, es sei auch
ein runder Geburtstag gewesen, meinte er lächelnd - ja, ganze 60
ist er geworden! Ein kurzes Stück weiter saßen Midge und Chris
nebeneinander. Als Tisch dienten wohl etwas erhöhte kurze
Sitzbänke, die mit den Tour-Postern überklebt worden waren. Das
war witzig: Wo man auch hinsah, überall fiel der Blick auf die
Tour-Poster, richtig herum, gefaltet, gerollt oder überkopf.
Überhaupt lief dort oben alles sehr entspannt. Die vier waren
gut drauf - sie hatten sich umgezogen, waren locker, lachten,
schüttelten Hände und wechselten mit jedem ein paar Worte. Wenn
ein Name fiel, gestalteten sie ihre Autogramme gleich persönlich
für uns, signierten nicht nur die Tour-Poster, sondern auch
selbst Mitgebrachtes - wie unsere Eintrittskarten, Booklets oder
LP-Hüllen - und sogar der Wunsch nach besonderen Stiften wurde
erfüllt, wenn der denn hingehalten wurde. Da wir alle aus dem
Kreisch- und Klammeralter hinaus waren, brauchten auch die
Sicherheitsleute nicht einzugreifen und standen ruhig daneben.
Dass wir zwei unsere Kamera nicht mit hineinbekommen hatten,
erstaunte Midge einigermaßen, aber das war nun nicht mehr zu
ändern. Auf
die Frage, ob sie noch einmal wiederkommen würden, antwortete
Chris verschmitzt „Well, we want to…“
HINTERHER
Als wir nach dem Meet & Greet die Große Freiheit mit unseren
Autogrammen im Gepäck verließen, überwog nicht der Anfang,
sondern der Rest des Konzerts und die Atmosphäre beim Meet &
Greet. Kann man sich voller Musik fühlen? Ja, das geht. Ob
Ultravox wiederkommen wird? Wir werden sehen… |