ULTRAVOX IN HAMBURG, GROßE FREIHEIT, 23. April 2010 
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Endlich war es soweit: Heute Abend sollte Ultravox nach Hamburg kommen! Wir hatten uns die VIP-Tickets gegönnt und freuten uns schon sehr auf das Event. Kurz zuvor hatten wir das neue CD-/ DVD-Pack „Return To Eden“ von Townsend Records bekommen und schon einmal einen kurzen Blick auf das Konzert riskiert. Nicht zu lang natürlich, denn das Hamburger Konzert wollten wir so unbeeinflusst wie möglich erleben. Der erste Eindruck verstärkte aber die Vorfreude. Auch das Wetter spielte mit, es war schön - trocken und nicht mehr kalt - und so konnte der Schirm zu Hause bleiben. Der Rucksack mit der Kamera musste natürlich mit. Gerade vom Meet & Greet wollten wir gute Bilder machen, also kam auch die gute Kamera mit. Pech gehabt, denn gerade diese Ausstattung der Kamera wurde uns zum Verhängnis, und wir mussten sie an der Garderobe abgeben.

Da nützten auch keine Hinweise darauf, dass diese Kamera bei Midges Solo-Konzerten bisher kein Problem gewesen sei; oder dass wir VIP-Karten hätten und die Kamera wenigstens dort benutzen wollten; und nein, man würde auch nicht bei der Band anfragen; es gäbe die Anweisung, diese Kameras nicht zuzulassen. Vielleicht ist das nur in Deutschland so? Jedenfalls hatten wir auf der aktuellen DVD gerade solch eine Kamera im Publikum gesehen… Immerhin: Uns blieb das neue Foto-Handy, mit dem wir ein paar Konzertaufzeichnungen  und ein paar wenige Bilder beim Meet & Greet ergattern konnten.

Heute gab es eine Änderung in dem sonst üblichen Tour-Ablauf, denn es sollte erst das Konzert gegeben werden und danach das Meet & Greet stattfinden. Die Hamburger Reeperbahn ist berühmt für ihr Nachtleben, und so sollte die Große Freiheit gleich nach dem Konzert ihre Türen als Nachtclub wieder öffnen. Also hatte die Band es für besser gehalten, an diesem Abend die Reihenfolge zu ändern, weil so dann mehr Zeit für die Fans bleiben konnte.

KONZERT

Das Konzert begann nicht nur laut, sondern auch übersteuert. Die ersten Stücke waren leider kein Genuss. Wurde es zwischendurch etwas besser, war „Astradyne“ der Gipfel, die Boxen klirrten regelrecht und die Stimmung in und um uns herum sank immer mehr. Ratlose Blicke kreuzten sich - warum bekamen die Techniker das nicht hin? Eine Frau hielt das nicht aus und verließ das Konzert, ihr Begleiter blieb. Danach aber passte dann alles, die Stimmungskurve ging steil nach oben. Kein Gedanke mehr daran, dass es eine anstrengende Veranstal-tung werden würde. Die Menge wogte, klatschte sich im Takt zu und sang sowohl eifrig als auch textsicher mit.

Erinnerungen, bleibende Eindrücke: Midges gesenkte Stimme, die in eine kurze Stille hinein „Sleeeeepwaaaaalk“ ankündigte und nahtlos in den Sound der Instrumente überging. Die Light- Show - rot, grün, blau, kühl, hell oder dezent - ganz nach Musik. Szenen-Applaus - jedes Mal, wenn Billy sein Saiteninstrument zum Einsatz brachte oder sein Solo beendete (Bratsche/ Viola oder Geige? Interessant, aber eigentlich egal, Hauptsache gut). „White China“ war 2009 nicht dabei, heute schon. „All stood still“… - nur als Song, sonst nicht machbar. Ultravox braucht keine Background-Sänger - Ultravox hat das Publikum, das (nicht nur) die Refrains beherrscht und die Band bestens ergänzt. „Die Hände zum Himmel“ - sowieso. Im Takt mitklatschen - kein Thema. Ganz besonders beim E-Drum- Solo von „The Voice“, bei dem nicht nur Warren sein Schlagzeug bearbeitete, sondern auch Chris, Midge und Billy den nun vor ihnen stehenden Drums einheizten - mit uns und für uns. Die Jungs auf der Bühne strahlten, sie hatten uns erreicht; und wir genossen diese Musik, die uns schon so viele Jahre begleitet hatte und endlich live zu erleben war. Alte Herren? Auf dem Papier vielleicht. Musikalisch nicht, da saß jeder Griff, jede Note war an ihrem Platz, jeder Ton richtig getroffen. Die Stimmen gereift und live so gut wie im Studio. Ganz am Ende, nach drei Zugaben, bekam der eine oder andere Fan einen Drumstick zugeworfen, ein bleibendes Erinnerungsstück. Die Band wurde fast frenetisch gefeiert und mit großem Beifall verabschiedet.

MEET & GREET

Beim Einlass zum Meet & Greet wurden unsere Eintritts- und VIP-Karten ganz genau geprüft, und es wurde niemand weiter durchgelassen, der diese beiden Tickets nicht zusammen vorweisen konnte. Dann ging es in kleinen Gruppen nach oben auf die Galerie, auf der zuvor beim Konzert noch ein Teil des Publikums gestanden hatte. Während wir darauf warteten an die Reihe zu kommen, konnten wir unten nebenbei der Crew dabei zusehen, wie sie mit geübten Griffen Instrumente und Zubehör verstaute.

Zunächst trafen wir auf Billy und Warren, die nebeneinander saßen und mit dicken Filzstiften die Tour-Poster signierten. Da Billy am 01.04. Geburtstag gehabt hatte, mussten wir noch schnell gratulieren. Darüber hat er sich gefreut, es sei auch ein runder Geburtstag gewesen, meinte er lächelnd - ja, ganze 60 ist er geworden! Ein kurzes Stück weiter saßen Midge und Chris nebeneinander. Als Tisch dienten wohl etwas erhöhte kurze Sitzbänke, die mit den Tour-Postern überklebt worden waren. Das war witzig: Wo man auch hinsah, überall fiel der Blick auf die Tour-Poster, richtig herum, gefaltet, gerollt oder überkopf. Überhaupt lief dort oben alles sehr entspannt. Die vier waren gut drauf - sie hatten sich umgezogen, waren locker, lachten, schüttelten Hände und wechselten mit jedem ein paar Worte. Wenn ein Name fiel, gestalteten sie ihre Autogramme gleich persönlich für uns, signierten nicht nur die Tour-Poster, sondern auch selbst Mitgebrachtes - wie unsere Eintrittskarten, Booklets oder LP-Hüllen - und sogar der Wunsch nach besonderen Stiften wurde erfüllt, wenn der denn hingehalten wurde. Da wir alle aus dem Kreisch- und Klammeralter hinaus waren, brauchten auch die Sicherheitsleute nicht einzugreifen und standen ruhig daneben. Dass wir zwei unsere Kamera nicht mit hineinbekommen hatten, erstaunte Midge einigermaßen, aber das war nun nicht mehr zu ändern. Auf
die Frage, ob sie noch einmal wiederkommen würden, antwortete Chris verschmitzt „Well, we want to…“

HINTERHER

Als wir nach dem Meet & Greet die Große Freiheit mit unseren Autogrammen im Gepäck verließen, überwog nicht der Anfang, sondern der Rest des Konzerts und die Atmosphäre beim Meet & Greet. Kann man sich voller Musik fühlen? Ja, das geht. Ob Ultravox wiederkommen wird? Wir werden sehen…

 
 
 

 
 

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