DO 23 APR 2009 THE DOME, BRIGHTON  
FR 24 APR 2009 HAMMERSMITH APOLLO, LONDON
SO 26 APR 2009 BIC, BOURNEMOUTH

 

 

 

Von Angelika

Nachdem ich also das Glück hatte drei Konzerte der return to eden Tour sehen zu können, nämlich Brighton, London Hammersmith und Bournemouth, könnte ich den Bericht jetzt tagebuchartig schreiben, da wäre allerdings der Vergleich nicht so einfach, also versuche ich es so:

 

Sound: nach den Eindrücken aus dem Internet, bei denen meistens die Instrumente sehr gut wiedergegeben wurden, aber die Stimme oft furchtbar klang war ich schon etwas besorgt. Wäre schon schön wenn Midge ab und zu einen Ton treffen würde, dachte ich.. Umso positiver war ich überrascht. Dass an der Technik noch gefeilt wurde, darüber wurde ja schon diskutiert, hier schien es echt noch Fortschritte

gegeben zu haben. Midges Stimme hat immer gesessen, wenn das der Technik zu verdanken ist soll mir das auch recht sein. Spätestens bei Vienna  sind bei mir alle Mauern eingestürzt.

Den Vorwurf, dass später die Instrumente um so mehr zu einem Brei zusammengeschmolzen sind kann ich teilweise bestätigen, aber das war wohl auch beabsichtigt. Insgesamt bin ich verblüfft wie gut B das gemacht hat (mit ihrem Team wohlgemerkt) Wenn ich dran denke wie schrecklich das damals in Kiel war..  

Nachdem wir diskutiert hatten was Warren wohl macht, wenn er am Computer steht und nicht als Vokalist gefragt ist, hab ich noch mal drauf geachtet: er macht tatsächlich nichts. Die Zeile „Herr x- wo bist Du?“ hat er übrigens beibehalten.. (Vielleicht gibt es ja noch ein revival von Alles Klar J ?) Welche Anteile von der Festplatte kommen ist schwer auszumachen.  Ganz sicher sind Gitarre und Violine komplett live gespielt worden, mir fiel auf dass sleepwalk nicht aus der drum- machine kam, hier hat Warren selber gedroschen. Aber ansonsten ist es nach wie vor so dass man nicht weiß was passiert wenn Chris und Midge auf die eine oder andere Taste drücken.

Venue/ Publikum: Ich gehöre zu den Leuten, die die bestuhlten Säle gar nicht schlecht finden. Das Positive ist, dass sich jeder vor dem Konzert gelassen auf seinem Platz einfindet und auch einen definierten Platz hat. Bei einem unbestuhlten Konzert muss man stundenlang vorher da sein und sich am Besten am Gitter vorne Festketten um nicht ständig weggedrängt zu werden. Man verbringt viel zuviel Zeit  während der Veranstaltung damit, sich einen brauchbaren Platz zu erhalten, vor allem wenn man ,so wie ich,  etwas kleiner ist. In Brighton erwies sich das Publikum als sehr zurückhaltend englisch. Erst als Midge fragte ob es in diesem alten Haus ein ungeschriebenes Gesetz gäbe, dass man nicht aufstehen dürfe, sprang alles auf und tanzte mit – mitgesungen wurde vorher schon. Aber jeder blieb brav an seinem Platz stehen.

Auch in diesem Zusammenhang war Hammersmith was Besonderes: beim allerersten Ton sprang das ganze Publikum auf , tanzte und sang , mit Akzenten aus aller Welt. Hier gab es jedoch auch die meisten Ärgernisse. Die Durchgängig- Quassler, die Ständig-Bierholer, die Falsch- Mitsinger (bei your  Name muss man nicht mitsingen..), und vor allem : die bouncer, über die ich auch viele Beschwerden gelesen habe. Ob es um Sicherheitsaspekte oder nur um Machtgelüste ging sei dahingestellt: die Vehemenz mit der hier die Gänge freigehalten wurden war nicht nachvollziehbar.

Bournemouth war seltsam. Das Publikum erschien mir durch die Bank verklemmt und lustlos, die Band etwas ratlos. Es wurde zunächst nicht mitgesungen, kaum applaudiert. Billy hat mitunter vorgeklatscht um zum Mitklatschen anzuregen. Irgendwann meinte Midge nur :Schhhh,  You are so quiet... Mit der Aufforderung doch nach Vorne zu kommen, kam für viele die Erlösung, für mich auch: ich rückte etwas mehr zur Mitte wo einige Plätze frei geblieben waren. Der Raum vor der Bühne füllte sich schnell und endlich wurde auch hier gesungen und getanzt. Vor der Zugabe wollten sie es wohl noch ein bisschen spannend machen: Dave und noch eine Techniker kamen auf die Bühne und fummelten völlig nutzlos an den Keyboards herum ( sah aus wie abstauben ) Natürlich haben sie nicht abgebaut: die Zugabe kam wie erwartet. Am Schluss hat die Stimmung so gekocht im Saal, dass einer der älteren Herren aus der ersten Reihe auf die Bühne sprang und jedem voller Demut und Dank die Hand schüttelte. Von Chris wurde er sogar umarmt, Billy hat ihm seine Trommelstöcke geschenkt.

Hier hätte vielleicht ein antriebsstarker support nicht geschadet..

 

Support: über diese Anne Marie Helder wurde schon viel auf den verschiedenen Webseiten gelästert. Ich finde sie auch ganz nahe am Horror. Aber selbst wenn jemandem dieses Gejammer  gefällt wäre er sich bestimmt mit mir einig dass sie nicht gepasst hat. Einem Konzert das  Depression, Paranoia und das Ende der Welt thematisiert ein Mädchen vorauszustellen, das „Paaacee„ „Peace on earth“ singt finde ich ziemlich grausam. Sie hat wohl schon für  Midges Akustik-Shows das Vorprogramm geliefert, das kann ich mir eher vorstellen. Ich hatte fast den Eindruck sie hat versucht sich anzupassen indem sie zum Blümchenkleid schwarze Latex-Leggins angezogen hat. Bei einem Konzert wurde sie wohl von Richard-John Thompson (samt zweitem Gitarristen)  vertreten schade, den hätte ich gern gesehen.

Merchandise: Wer hätte gedacht, dass das so ein nennenswerter Punkt werden würde? Schon in Brighton waren wir mehr als überrascht über den riesigen Merchandise- Stand, über die Japaner, die scheinbar alles gekauft haben und nicht zuletzt über die Preise. Der durchschnittliche  Ultravox- Fan scheint ein Kind im Grundschulalter und keine Geldsorgen zu haben. Neben den T-shirts zu jedem Album und zur Tour (jede Größe für Herren, Damen und Kinder), wobei ich das „Lament“ reichlich fad fand mit den vielen Punkten, und

natürlich den Postern zu jedem Album und zur Tour gab es allerlei mitunter kuriose Devotionalien vom USB- Stick über die Laptoptasche und die Einkaufstasche, sowie Kaffeetasse und Anstecker und Anhänger bis hin zum mein persönliches Lieblingsstück- Malerkittel für das Schulkind in schickem dunkelblau mit dem Pferdemotiv von RIE. Ich habe auch einige Kinder mit Tour T-shirt gesehen  - sieht wirklich zum Knuddeln aus, aber so manche Familie schien an einem Abend 150 Pfund liegen zu lassen.     

Diese Stände waren auch immer voll umlagert, die T-shirts wurden umzugskartonsweise angeschleppt und in Bournemouth war dann auch schon eine Größe ausverkauft. Zu dumm dass die Artikel dann auch noch durchgehend hochwertig und schön gemacht waren, kein Wunder dass kaum jemand widerstehen konnte. Ein Plakat mit dem RIE- Logo wollte ich schon lange haben, und so einen schönen Golddruck kann man sich nicht selber ausdrucken. Also war auch ich für den Rest der Reise mit einer Rolle unterm Arm unterwegs,  erstaunlich genug, dass ich sie tatsächlich unbeschadet nachhause gebracht habe. 

Mein Highlight. Was ich vor allem erfahren habe auf dieser Tour war, dass sich immer alles ganz schnell ändern kann. Nachdem Susi nicht mitfahren konnte hatte ich nicht nur eine umständlich Reise vor mir sondern auch drei Tickets zu verkaufen. Der Zufall wollte es dass ich in Brighton nicht nur zwei der Tickets verkaufen konnte sondern auch für die nächsten zwei Tage Begleitung hatte. Mein Käufer erwies sich als schwedischer Geschäftsmann, der regelrecht aus dem Büro weggelaufen war um Ultravox zu sehen.

Er hatte die Idee den Merchandise- Mann zu bequatschen, ggf zu bestechen, ihm Autogramme der Band zu besorgen. Ich erklärte dass mir nichts liegt an einem Autogramm das ich nicht selber bekommen hatte. Dass ich Midge schon mehrmals getroffen hatte fand er unglaublich, spätestens als ich ihm sagen konnte welches Midges Auto ist und Dave meinen Namen wusste war er völlig am Ende das fand ich natürlich amüsant.

Er blieb aber bei seinem Plan und hat den Verkäufer Fred so lange genervt bis der versprochen hat zu tun was er kann.. In Hammersmith schließlich haben wir Fred vor der Halle getroffen. Dieser meinte er hätte leider kein Autogramm, aber mit einem versteckten Grinsen: zwei Pässe für die Aftershow- Party.

Das hab auch ich erst geglaubt als ich den Aufkleber auf meinem T-Shirt hatte.

Wir sollten uns also nach dem Auftritt auf der Empore direkt über der Eingangshalle einfinden: wahrscheinlich auch ein Grund warum die Bar so schnell geleert wurde. 

So versammelten sich schließlich in diesem oberen Barbereich (wenigstens waren die Preise hier nicht höher als unten) etwa 40 Leute, die wenigsten davon hatten Aufkleber wie wir. Die überwiegende Zahl der Gäste hatte einen Acess-all-areas- Pass umhängen und darunter eine  Handvoll Kinder, die dann im ganzen Haus herumtobten- und schienen irgendwie zur Familie zu gehören. Nach einiger Zeit erschien Warren, der wie mir erzählt wurde der security seinen Ausweis zeigen musste, anscheinend hat man ihn nicht erkannt. Verdammt peinlich falls das stimmt. Es hat sich sofort jemand auf ihn gestürzt und um ein Foto gebeten, das war das einzige Bild das an dem Abend gemacht wurde. Deshalb hab auch ich nicht geknipst – nicht zuletzt auch weil ich mir keinen Ärger einhandeln wollte, falls ich Bilder von Familienangehörigen veröffentlicht hätte. Mit einem gleichmäßig höflichen Lächeln hat er alle Autogrammwünsche erfüllt und auf meine Frage nach einer Deutschland-Tour meinte er nur, nach Berlin würde er gerne mal wieder kommen.

 

Kurz darauf erschien Billy und dann auch bald Chris, und hätte Midge nicht dieses knallrote Hemd mit Fußballkaro (darüber wurde sogar schon auf Youtube gelästert) getragen, hätte ich ihn glatt übersehen. An Midge war nicht wirklich heranzukommen. Kaum hatte er zwei Autogramme geschrieben, wurde er von seiner Frau in Beschlag genommen und am hinteren Ende des Raums mit allerlei Leuten bekannt gemacht.

Wir stellten uns also brav in der Nähe von Billy auf und wurden von einem entzückenden englischen Teenie-Mädchen angesprochen. Noch stinknormaler englisch konnte sie kaum sein: türkisfarbene Leggings, leogemustertes Shirt , bisschen mollig und zahngespangt war sie beschäftigt für andere Leute Autogramme einzusammeln.

So sprach sie uns an: You want an autograph from my dad? Who is your dad? Da zeigte sie auf Billy und auf die Frage Proud?“, antwortete sie mit einem Strahlen „Yes!“ Während wir noch überlegten ob wir das ernst nehmen sollten, hat sie wohl schon Dad informiert, dass es Arbeit gibt, denn als wir an der Reihe waren sagte er sofort:  „My daughter told me you come from Sweden..“ Darüber dass ich aus Deutschland komme hat er nur kurz gestutzt und die Antwort auf meine Bitte die Show doch nach Berlin oder Köln ( oder, oder..) zu bringen klang schon wesentlich verbindlicher als bei Warren: „Yes, maybe on some European dates“

Chris war mindestens so lässig wie auf der Bühne, wo ich herkomme wollte er genau wissen. Ich konnte doch nicht ahnen, dass er Augsburg kennt J . Interessant fand ich dass sich die Autogramme von ihm nicht gleichen, irgendwie sieht jedes anders aus. (aus der Übung?)

Als Midge sich wieder zu den Leuten gesellte war er schon auf dem Sprung „Left the kids at home..“ er hat dann gerade noch die  Autogrammwünsche erfüllt und ist verschwunden. Selbst wenn er mich angesehen hätte, hätte er mich bestimmt nicht erkannt, immerhin hat er profimäßig alle Widmungen geschrieben.

Insgesamt haben wir die meiste Zeit damit verbacht am Rande zu sitzen und die Szene zu beobachten, und uns mit den anderen Zaungästen zu unterhalten: so haben wir z.B. noch einen Fan aus Canada  kennengelernt der auch noch ein Ticket für die abgesagte Lament- Nordamerika-Tour hatte (passend zum Ticket für die abgesagte Skandinavien- Tour)  Der eine oder andere Gast schien auch seit Visage seinen Stil nicht geändert zu haben, hier war z.T. noch viel Kajal und Haarspray im Spiel.

Uns wurde auch noch die Frau von Billy gezeigt und im direkten Vergleich zu der Wichtigtuerei von Sheridan war keine Frage wer sympathischer ist.      

Die Frau, von der wir annehmen dass sie zu Warren gehört, war fast hollywood- tauglich. Zu ihrer blonden Mähne trug sie ein irgendwie goldglänzendes Kleid in A-Linie, das einfach nur kurz war. Kein Thema bei diesen makellosen Beinen, die passenden Schuhe dazu waren so hoch, dass sie zwangsläufig die ganze Zeit auf einem Fleck stehen blieb. Verblüffend daran, dass sie einen wirklich netten Eindruck machte.

Für kurze Zeit schaute Dave vorbei, fragte mich wie ich denn da hineingekommen war. Ich zeigte Ihm nur meinen Pass und meinte „I sneaked in again..“ Da grinste er nur: na dann, darfst Du ja auch hier sein.. 

Besonders schön an der Sache fand ich welche Freude der Merchandise- Verkäufer daran hatte uns diesen Gefallen zu tun,  und zu sehen welche kindliche Freude mein (offensichtlich finanziell verwöhnter) Bekannter hatte an einem Erlebnis, das man nicht für Geld kaufen kann.   

 
 

 
 

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