Das Tour-Interview 2008
 

Am 15.4. hatte ich in Hamburg Gelegenheit, mich mit Midge zu einem längeren Interview zu treffen. Es entwickelte sich ein interessantes Gespräch über Kanada, Cover-Songs und den "neuen" Midge. Die Bilder machte übrigens der talentierte Nachwuchsfotograf Richard John Thompson (danke dafür!). :-) Vielen Dank meiner Frau Sabine für die eingelegte Übersetzungsnachtschicht!

 

Mike: Du hast das vergangene Jahr mit deiner Familie in Kanada verbracht und kommst meiner Meinung nach diesen Sommer zurück. Hast Du jemals darüber nachgedacht, ganz dort zu bleiben?

Midge:
Nein, das war tatsächlich nie ein Thema. Wir haben immer gerne in Großbritannien gelebt. Wir wollten einfach mal etwas anderes ausprobieren. Durch das Alter meiner Mädchen ist dieses nämlich das EINE Jahr, in dem wir so etwas tun konnten, dort für ein Jahr hin zu gehen und diese Zeit in Canada zu verbringen. Einfach nur um herauszufinden, was für eine andere Kultur dort ist, welche andere Lebensart wir vorfinden. Aber es war immer geplant, nach diesem einen Jahr wieder zurückzukommen. Kitty ist jetzt vierzehn und beginnt mit den GCSE-Prüfungen (Anm.: Das „General Certificate of Secondary Education“ ist ein Abschluß im brit. Schulsystem für 14 – 16 Jährige, vergleichbar dem amerikanischen Highschool Abschluß, der für die weiterführende Schule, also das Abitur, Voraussetzung ist) das sind wichtige Prüfungen, also stellte sich die Frage nicht, länger dort zu bleiben. Ich verschwinde also nicht, es wird auch kein Holzfäller mehr aus mir werden (lacht).
 


Mike: Hast Du irgendwelche interessante neue Musik in Kanada kennengelernt? 

 

Midge:
Jede Sache hat zwei Seiten, auch die Musik in Kanada. Ultravox haben immer davon profitiert, dass ihr Schlagzeuger, Warren, ein Kanadier war. Das Land Kanada ist sehr stolz auf seine Künstler. Die nationalen Radiosender dort haben eine Art Regel, dass jedes dritte oder vierte Stück, das sie spielen, etwas Kanadisches sein muß, sei es der Musiker selbst als Urheber oder der Produzent oder was auch immer, und das ist klasse. Also bekommt man viele Dinge zu hören, die man normalerweise nicht im Radio hören würde. Die Kehrseite der Sache ist, dass der Rest der Musik im Radio dort reiner Durchschnittspop aus Amerika ist. Also bekommt man eine Menge Christina Aguilera und ähnliche Musik zu hören. Sie geben auch Bands wie Arcade Fire oder der tollen weiblichen Sängerin Feist eine Chance, gehört zu werden.

 

Mike: Hatte der Kanada-Aufenthalt irgendeinen Einfluss auf Deine musikalischen Pläne und/oder Dein Songschreiben?

 

Midge:
Nein, nicht wirklich. Es ist zwar eine wunderschöne, romantische Idee, dieser Gedanke, in einem anderen Land zu leben, mitten in einem Wald mit der Aussicht auf einen gefrorenen See und das inspiriert Dich dann zu neuen Songs. So passiert es aber nicht. Das Leben dort ist recht chaotisch, es ist dort eben doch nicht so ganz unser Zuhause, ich habe kein richtiges Studio da. Die Umgebung ist anders, der Lebensstil ist anders. Die Art, den Tag einzuteilen ist eine andere. Man muß dort bereits viel Zeit dafür aufwenden, einkaufen zu gehen, anstatt sich hinzusetzen und in Ruhe Musik schreiben zu können. Diese romantische Idee ist also schön, aber die Realität ist eine andere. Ich kann Musik schreiben und aufnehmen, wo immer ich gerade bin, muß aber eben genug Zeit dafür in Ruhe haben, das zu tun.

Aber ich möchte auch noch erzählen, dass mein Aufnahmestudio so vor einem großen Fenster aufgebaut ist, dass ich den freien Blick habe auf den See vor dem Haus. Die Bäume dort drum herum sind seit November unentwegt mit Schnee bedeckt. Einfach nur da hinaus zu gucken ist schon toll. Also hat es wohl schon einen Einfluss auf das, was ich in der Zeit dort getan habe. Abgesehen von der Rumhetzerei manchmal ist nämlich das Leben in Kanada ein ganz ruhiges und steht im krassen Gegensatz zum Streß sonst. Das hat auch seine Auswirkung gehabt.


Mike: Und Du hattest – wie ich im Internet gesehen habe – auch Zeit, wunderbare Fotos zu machen von der Umgebung in Kanada. Die Bilder auf Deiner Website sind echt klasse!

Midge:
Danke schön! Weißt Du, ich habe immer gerne fotografiert und mich für die Fotografie-Seite von Dingen interessiert. Ich hatte ja ehemals nicht einmal einen Fotoapparat, bis ich zu Ultravox kam. Es war übrigens Chris, der mich dann dafür begeistert hat. Wir haben damals haufenweise fotografiert. Und dann war ich irgendwann gelangweilt und hab damit aufgehört. Erst kürzlich habe ich mir dann eine qualitativ hochwertige digitale Nikon-Kamera angeschafft und habe wieder damit begonnen, zu fotografieren. Es macht Spaß, diese Bilder einfach auf die Seite zu stellen und die Leute können sie dann betrachten. Vielleicht spielen diese Fotos dann ja auch eine Rolle im Booklet der „10“ CD. Irene und Christian von Hypertension sagten mir, sie möchten die Fotos gerne nutzen für das Artwork der neuen CD, also vielleicht tauchen sie da auf?!

Mike: Das wäre toll.


Mike: Ich war überrascht, „Love’s Great Adventure“ auf der Tour zu hören! Du hattest mir mal gesagt, das ginge nicht akustisch zu spielen…..


Midge (lacht ausgiebig):

Das habe ich glaube ich über jeden Song gesagt, besonders über die Ultravox-Songs: Es ist unmöglich, sie akustisch zu spielen. Aber wenn man sich hinsetzt und nicht an die bekannte Version denkt, sondern nimmt es als ein Lied, das gerade erst neu geschrieben wurde.  Du hast es höchstens mal mit einer Gitarre gespielt, noch nie mit einer ganzen Reihe von Synthesizern und noch nie mit einer Band – und wenn man mit dieser Haltung daran geht, dann steht  der Song für sich und es funktioniert. Oder nicht. Bei „Love’s Great Adventure“ scheint es richtig gut zu funktionieren.


Mike: Nach den ersten Konzerten der Tour waren die Fans sehr begeistert von der Setlist und der Energie, die Du von der Bühne herunter ausstrahlst. Sehen wir jetzt einen neuen Midge und, wenn das so ist, was hat dich verändert?

 

Midge:
Es gibt eine Grenze, wie viel man machen kann, alleine auf einer Bühne mit einer Gitarre. Es gibt nur eine bestimmte Anzahl von Möglichkeiten, ein abwechslungsreiches Set mit vielen Ups and Downs, also ruhigen und schnellen Songs zusammenzustellen. Also musste ich anfangen nach Songs zu suchen, die ich noch nie live gespielt habe. Zum Beispiel ist „Fragile“ so ein Lied, ich überlege immer noch, wie ich das akustisch auf der Bühne bringen kann. Oder „The Voice“, das ich ja noch nie akustisch gespielt hatte auf Gitarre. Wenn es ein guter Song ist, sollte das aber gehen. Also mußte ich schauen, was ich in der Vergangenheit gemacht hatte und es eben ein wenig zu ändern. Die „Standard Songs“, die die Leute einfach erwarten, werden immer im Set dabei sein, aber für mich sind es diese „anderen“ Lieder, die es für mich interessant bleiben lassen. Die Auswahl der richtigen Lieder für die richtige Tour ist also wichtig. Und dieses Mal scheint das gut zu funktionieren.

 

Mike: Lass uns ein wenig über das Album "10" reden. War es schwierig, Songs zu finden, die Du gerne dafür neu einspielen wolltest?

 

Midge:
Nein, schwierig war es, mich daran zu erinnern, welche Songs ich covern wollte! Einfach weil es so lange her ist, dass der Gedanke zuerst aufkam. Erstmals dachte ich an dieses Projekt im Jahr 1981/82, als ich „No regrets“ aufnahm. Mein Gedanke war: Hey, klasse Sache – geh einfach hin und nimm Deine Lieblingslieder, Lieder, die mir etwas Besonderes bedeuten und meinesgleichen. Es ist doch so, jede Person hat eine Reihe von Liedern aus „magischen Momenten“ aus seiner Jugend. Das habe ich also getan, habe versucht mich zu erinnern, welche Songs das waren, die ich wirklich aufnehmen wollte.
Es war interessant – wahrscheinlich stehe ich jetzt da mit einer etwas anderen Auswahl als ich ursprünglich mal im Sinn hatte. Aber die Lieder, mit denen ich jetzt hier stehe, werden wirklich überraschend sein, wirklich überraschend. Ich sage jetzt nicht, das wäre Kunst oder eine besondere musikalische Aussage, es ist nur meine Interpretation von besonders gut geschriebenen Liedern. Wie ich in dem kleinen Texteintrag auf der Rückseite der „Two“-CD schon geschrieben habe, sind diese Lieder wichtig für mich, sie bedeuten mir etwas. Mit diesen Liedern hab ich gelernt, Gitarre zu spielen. Ich habe ja keine Schule besucht, in der man hätte lernen können, wie man gute Lieder schreibt. Dies war meine musikalische Ausbildung. Es ist wichtig, dass man das den Leuten erzählt, das sollen sie wissen. Jeder hat - in diesem Sinne - eine andere musikalische „Ausbildung“ mitbekommen.


Mike: Wir konnten bisher Ausschnitte von 4 neuen Songs auf der Webseite hören. Kannst du uns etwas über die anderen Songs erzählen, die du aufgenommen hast?

(Midge fragt nach, welche man auf der Website hören kann, weil er das nicht weiß: Man of the World, Alfie, Nevermore, Song for while I’m away.)

Midge:

Ja, die anderen sind überraschende Stücke. Ich habe die Carpenters Nummer „Goodbye to Love“ aufgenommen, was wirklich schön geworden ist, ich bin sehr zufrieden damit, was bei diesem Song herausgekommen ist. Ich habe auch eine sehr rudimentäre Variante von David Bowie’s „Lady Stardust“ aufgenommen, nur mit Akustik-Gitarre und Cello. (Er hält eine Masters-CD hoch und fährt fort: Dies hier sind die Audio Spuren, die sende ich nach England zu meinem alten Freund Brian Tench. Der wird für mich das Mixen des Albums übernehmen.
Was noch? „To Sir with Love“, davon habe ich eine Version aufgenommen …

Mike: Und „For no-one“ von den Beatles auch?

Midge: Nein, das habe ich noch nicht gemacht ….
Song for while I’m away, Man of the World, Day after Day (ein Badfinger-Song), Let the Heartaches begin (Mike sagt dazu: Fantastisch, meine Frau liebt den Song! Midge: Ja, das ist ein toller Song. Hypertension überlegt sogar, das als Single zu veröffentlichen… Also, mal sehen, was draus wird…

 

An dieser Stelle fragt Dave nach Midge’s Essenswünschen und hält dabei mit einer Hand das Mikrofon zu, was zu großer Heiterkeit bei Midge führt…

 

Mike: Würdest Du sagen, die Songs auf "10" sind der "Soundtrack deines Lebens"?

 

Midge:
Teil des Soundtracks meines Lebens! Wie Du schon sagst, es gibt so viele Lieder, von denen man gerne Versionen aufnehmen würde. Ich erinnere mich, ich sprach vor vielen, vielen Jahren mal mit UB40, und zwar als sie die Backingvocals für „Sisters and Brothers“ ((also 1989, Answers-Album)) machten. Da hab ich sie gefragt: Was macht Ihr, wenn Euch mal die Ideen für neue Songs ausgehen? Sie sagten, es gäbe Tausende von Liedern, von denen sie gerne Varianten aufnehmen wollten, wie z.B. „Red red wine“. Die Idee finde ich interessant, vielleicht sehen wir uns dann in 10 oder 20 Jahren wieder, treffen uns und machen vielleicht neue Backing Vocals für eine Handvoll Songs, die uns interessieren. Also, „10“ ist vielleicht nur die erste „Ten“ und vielleicht gibt einmal mehr davon? Wir müssen jetzt halt erstmal warten, wie es läuft. Mir hat es Spaß gemacht, es war klasse, das zu machen, ich war am richtigen Ort zu rechten Zeit, um mich hinzusetzen und tatsächlich darauf zu konzentrieren – anstatt immer nur davon zu reden, aber nichts daran zu tun! Vielleicht ist dies also nur die erste Handvoll, diese CD reicht mit den Liedern ja nur bis 1967/68. Auch danach gibt es noch eine Menge Songs, die mich beeinflusst haben und mich noch immer beeinflussen, heute.

 

Mike: Gibt es auch Lieder aus der Zeit davor?

Midge:
Ich weiß nicht, ob ich weiter zurück gehen kann…. . Ich denke, Alfie war ja in den ganz frühen 60ern. Dieses Mal waren mir die Songs wichtig, nächstes mal nehme ich vielleicht ein paar Instrumentals der Shadows oder z:B.„Sleepwalk“, vielleicht aber auch ein paar Blues-orientierte Stücke, die ich sehr mochte, als ich ein Kind war, da hätte ich echt Lust zu.

Mike: Aber zuerst hätten wir auch gerne ein neues Album mit Deinen eigenen Songs.

Midge:
Natürlich, das ist ja nicht gestoppt. Es kommt!

 

Mike: Einige Fans scheinen alles Neue erstmal mit den alten Songs und Sounds der 80er zu vergleichen und ihre Reaktion auf die neuen Songs war dadurch sehr zurückhaltend. Ist der 80er Erfolg heute eher eine Last, wenn Du neue Sachen auf den Markt bringst, und was sagst Du zu den Leuten, die Neues nur durch diesen Vergleich bewerten?

 

Midge:
Ich denke, dem kann man nicht entkommen, man wird immer an seinen alten Sachen gemessen. Wenn es jetzt neuere Fans sind, die seit 10 Jahren erst „an Bord“ sind, vergleichen die alles mit „Breathe“. Denn das ist alles was sie kennen. Als „Breathe“ ein Hit war, kamen ganz viele neue Fans dazu . Diese werden also nichts mit den 80ern vergleichen.
Es ist einfach unvermeidbar. Als ich bei Ultravox war, haben uns die Amerikaner immer mit dieser Band verglichen, die „Nights in white satin“ gesungen haben. Das hat uns natürlich sehr verärgert. Wie hießen die noch?

Mike: The Moody Blues.

Midge:

Ach ja, Moody Blues. Der Vergleich hat uns wahnsinnig gemacht, denn unsere Musik hatte nichts mit denen zu tun. Aber Leute brauchen immer einen Vergleich, um beschreiben zu können, was Du tust. Ich glaube also nicht, dass die alten Erfolge eine Last sind.
Ich höre eigentlich gar nicht auf das, was die Leute sagen. Es gibt ein tolles Zitat von Ford, dem Autobauer: „Hätte ich auf all meine Kunden gehört, hätte ich ein schnelleres Pferd erfunden“. Wenn man das hört, denkt man: Genau so ist es! Mach, an was Du glaubst, und hoffe darauf, dass es anderen gefällt. Den wenn ich auf jeden Einzelnen hören würde, der einen Kommentar zu meiner Musik loslässt, würde ich nie irgendetwas fertig bekommen.

 

Mike: Nächstes Jahr kannst Du auf 35 Jahre im Biz zurückblicken. Viele deiner Kollegen sind an den Veränderungen in der Musikindustrie und nachlassendem Erfolg gescheitert. Du hast überlebt. Wenn Du zurückblickst, gibt es etwas, was Du gerne anders gemacht hättest in all den Jahren?

 

Midge:

Weißt Du, es gibt sicher Dinge, die man rückblickend anders machen würde, aber man kann nicht immer nur denken, wenn ich doch bloss dies oder das gemacht hätte – da macht man sich verrückt. Zum Beispiel denke ich, es wäre für Ultravox sehr positiv gewesen, wenn wir durchsetzungsfähigere Produzenten gehabt hätten, also Leute, die darauf bestanden hätten, dass wir bestimmte Dinge tun anstatt uns einfach machen zu lassen. Aus heutiger Sicht ist das für mich wohl ziemlich offensichtlich. Es gab Bereiche, da fanden wir unsere Ideen toll, und sie waren es gar nicht und in anderen Bereichen fanden wir es schlecht und das war es auch gar nicht. Da fehlte einer, der uns gesagt hätte: Nein, an die Stelle packt Ihr nicht noch ein Keyboard hinein, ändert Eure Texte und so weiter. Aber zu dem Zeitpunkt sieht man es nicht so, weil man mitten drin steht. Eigentlich würde ich gar nichts ändern.

Mike: Auch kein Lied, das Du vielleicht heute nicht mehr aufnehmen würdest?

 

Midge:
Nein. Es gab für alles, was ich in der Vergangenheit gemacht habe, einen Grund. Auch wenn ich heute nicht mehr weiß, was die Gründe im einzelnen waren, es gab doch Gründe, warum man diesen bestimmten Weg gegangen ist. Man muß dazu stehen, man auch zugeben können, das habe ich so gemacht, es war meine Entscheidung und es hat mich keiner dazu gezwungen. Ich denke, das ist so im Leben. Man kann nicht durchs Leben gehen und immer nur sagen „Ach, wenn ich doch nur vor zwanzig Jahren dies oder das getan hätte, wär ich doch heute ein zigfacher Millionär und ich würde jeden Abend vor hunderttausend Leuten spielen“. So geht das nicht. Wenn es nicht hat sein sollen, hat es eben nicht sein sollen. Aber ich kann mich nicht beklagen, wirklich nicht!

Mike: Gibt es irgendwelche Pläne für eine Jubiläumsfeier im nächsten Jahr oder magst Du so etwas gar nicht?

Midge:
Ich habe einfach noch nicht darüber nachgedacht. Stimmt das wirklich … 35 Jahre? 1972 war es, als ich zu Salvation kam, meiner ersten full time band.

Mike: Dann sind wir ja eher an 40 Jahren dran…

Midge (lacht):

Ja, ich war 18 damals. Wenn ich es jetzt richtig rechne, kommt das hin…

Mike: Viele 80er Jahre Fans fanden es klasse, was Howard Jones zu seinem 25.Jubiläum gemacht hat.

Midge:
Ja, das war klasse. Ich hab da mitgemacht – da erinnerst Du mich an was. Ich hab die DVD bis heute nicht zu sehen bekommen. Ich muß ihn wohl mal anrufen und erinnern. Also, ja, es ist eine nette Idee, aber ich hab an sowas noch gar nicht gedacht. Jetzt, wo wir uns auf 1972 geeinigt haben, ist es aber auch gar kein echtes Jubiläum, oder?

Mike: Dann müssen wir wohl noch warten…

Midge:
2012 (lacht).

 

Mike: Eine letzte Frage noch: Was hältst Du von „YouTube“?

Midge:
Für mich ist es eine tolle Sache, auf einem bestimmten Gebiet. Ich kann mir da Sachen angucken, die ich noch nie gesehen habe: Sachen, die ich oder Ultravox oder auch, ich traue es mich kaum zu sagen, Slik, damals gemacht haben, z.B. Fernsehauftritte und so weiter. Die Leute haben solche Sachen noch und stellen sie dort ein. Ich find es interessant, dort Raritäten zu finden, aber ich kann es mir nicht länger als 5 Minuten am Stück ansehen, das macht mich verrückt.

Es ist, als ob man eine andere Person ansieht, ein anderes Leben. Das hat für das was ich heute mache und bin keine Bedeutung mehr. Dennoch ist es als historisches Archiv durchaus nützlich. Ich habe es auch benutzt, als ich die Recherche für „10“ begonnen habe. Einige der Songs hatte ich lange nicht gehört, hatte auch keine Aufnahmen davon. Die Texte kann man aber im Internet finden, das ist einfach. Aber man findet nicht immer auch Aufnahmen davon oder mp3 Dateien. Aber auf „YouTube“ findet man Live Auftritte davon, oder TV Shows. Also kann ich mir anhören, wie die Akkorde sind und wie das ganze klingen muß. „YouTube“ hat sich also da für mich als sehr nützlich erwiesen.

Mike: Und was denkst Du darüber, dass Fans einzelne Songs einer Tour dort einstellen, ist das eine gute Werbung in Deinen Augen?

Midge:
Ich denke das ist keine Werbung. Mit „YouTube“ ist es das gleiche wie mit „MySpace“, da findet Deine Sachen sowieso nur, wer schon Fan ist, also trägt man Eulen nach Athen. Alles was man damit macht, ist Leuten, die die Tour schon gesehen haben, zu zeigen, wie dieser bestimmte Auftritt war. Das schadet nicht und für die Fans ist das ne tolle Sache und ich würde als Fan sicher das gleiche tun, da Dinge aufrufen, aber ich glaube, es hilft dem Künstler nicht als Werbung.

Mike: Herzlichen Dank für das Gespräch, Midge.