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Mein Prinzip der Ideenfindung ist immer gewesen, gerade nicht Top 10 Hits
früherer Epochen heranzuziehen, sondern das Potential in Songs zu suchen, die
damals nicht unbedingt ein Hit waren. Im Verhältnis zu der
Ideenlosigkeit der heutigen Top 10 hätten aber auch diese Songs heutzutage große
Chancen. Das mal nebenbei. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass Songs
wie "Dancing With Tears In My Eyes" oder
"Vienna" von einem Remake für den heutigen House- Dancefloor mehr oder weniger
für mich ausgeschlossen sind, weil mir das zu unkreativ wäre.
Unabhängig davon müssen natürlich noch mehrere Faktoren stimmen, um eine Version
für unser Set resp. eine Disco Boys Single zu werden (Tempo, Melodie,
grundsätzlicher Charakter, Vocals, etc.).
"The Voice" war damals für mich schon eines meiner Lieblings- Ultravox- Stücke.
Die sentimentale Stimmung, die durch die einzigartige E- Gitarre, die Stimme von
Midge, die Flächen und die sehr Delay mäßige Art der Mischung erzeugt wurde,
passt perfekt zur aktuellen Entwicklung in der Electro/ House- Musik. "The Voice"
ist zwar im Original wesentlich schneller als die durchschnittlich übliche BPM
Zahl in unseren und anderen House Sets (150 BPM statt ca. 128 BPM), aber erstens
haben wir festgestellt, dass auch dieses Tempo bei diesem Song funktioniert, was
nicht immer so ist, und weswegen viele Ideen am Ende auch verworfen werden (z.B.
diverse Cover-Ideen von "A Flock Of Seagulls" - leider), und zweitens ist unsere
Zielgruppe in einem Alter in dem kaum jemand das Original kennt und das schnelle
Tempo demnach auch nicht vermisst.
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Um die Rechte an solchen und ähnlichen
Songs zu klären kommt man heutzutage nicht umhin ein Demo zu produzieren
aus dem annähernd hervorgeht, wie die spätere Produktion ungefähr
klingen könnte. Da man dazu nur das gesamte Playback des Originals
nutzen kann und keine Einzelspuren zur Verfügung hat, ist das immer ein
ziemlicher Drahtseilakt. So auch bei "The Voice". das gesamte Playback
inkl. aller Vocals als Grundlage und darüber ein Housesound gelegt. Die
Maxi- Version besitze ich natürlich wie ca. 5.000 andere 12" aus der
Zeit, aber nicht in digitaler Form, was für eine "Weiterverarbeitung"
soundlich immer besser wäre. Es gibt die Maxi-Version zwar auch auf CD
("Extended Ultravox"), aber die ist zumindest neu nur sehr schwer zu
bekommen. |
Schritt 1 ist also die Demo-Produktion um eine
Rechteklärung folgen zu lassen. In diesem Fall ging es um zweierlei Rechte, die
Verlags- und die Samplerechte, weil wir eigentlich vorhatten, mit original
Samples zu arbeiten, also eine eigene Version mit Teilen (z.B. Vocals) des
Originals. Am sinnigsten ist es immer zu versuchen, den Originalkünstler direkt
anzusprechen, was in diesem Fall ja auch gelang. Der Kontakt kam über einen
Bekannten aus einem Musikverlag zustande. Ich rief Midge Ure dann einfach auf
dem Handy an, was nicht gleich gelang. Er rief dann irgendwann zurück und wir
unterhielten uns einige Zeit. Ich begeisterte ihn von der Idee eines Remixes von
"The Voice".
In dem Telefonat vielen aber u.a. auch
Sätze von ihm wie "Es wundert mich, dass sich überhaupt noch jemand für diese
alten Sachen interessiert".
Das wunderte mich wiederum.
Die erste Hürde war somit also genommen. In den folgenden Telefonaten besprachen
wir, wie wir am besten vorgehen. dabei stellte sich heraus, dass die
Original-Bänder des Stücks nicht mehr auffindbar sind, was uns zwar von der
Sample- Rechte- Anfrage befreite, weil wir nun keine Original-Samples verwenden
konnten, da sich das Vollplayback nicht eignete und wir auf jeden Fall die
Einzelspuren benötigt hätten. Aber nun standen wir vor der Aufgabe, das Original
komplett nach zu produzieren. Hierfür gibt es spezielle Studios, die jeden
Original Synthie, jeden Drumcomputer, jedes Instrument heraushören und imitieren
können. Danach hat man dann aber auch Einzelspuren in top Qualität. Ebenfalls
besprachen wir, dass Midge dann irgendwann auch die Vocals erneut einsingen
sollte. Allerdings nur die Parts, die für unsere Version relevant waren.
Schritt 2 ist nun die offizielle Anfrage beim zuständigen Verlag, die eben nur
mit einem Demo geht. Das hatten wir ja schon. Zu erwähnen wäre noch, dass die
erste Demo-Version bereits am 17.04.2006 fertig war. Da die musikalischen
Entwicklungen in unserem Genre naturgemäß sehr schnell sind, ist die
Ursprungsversion zum Zeitpunkt der VÖ u.U. bereits völlig veraltet und gar nicht
mehr spielbar. War auch so, aber egal, Verlagsfreigabe kam dann irgendwann und
es konnte losgehen. Ins Studio, Original- Track in ca. 2 Wochen komplett
nachgespielt, Midge das neue Playback geschickt. Neue Vocals nachgesungen.
Wieder ins Studio,
diesmal ins eigene, und den House-Track draus gemacht.
Zwischendurch habe ich Midge dann auch auf seiner diesjährigen Unplugged Tour am
24.04.2008 in Frankfurt im Sinkkasten getroffen und wir haben uns bei einem
Drink sehr nett unterhalten. Im Laufe der Entstehungszeit ist er dann auch von
seinem damaligen Wohnsitz in Kanada mit der Familie wieder nach Bath in
Schottland zurückgezogen. Sein Nachbar ist übrigens eine weiteres "Idol" von
mir, nämlich Peter Gabriel.
Interessant ist nun noch, dass zwischen der ersten Anfrage bei Midge bzw. dem
Verlag bis zum jetzigen Zeitpunkt ca. ein 3/4 Jahr vergangen ist, was aber in
dieser Größenordnung normal ist. "The Voice" ist bereits vor ca. 2 Wochen auf
unserer eigenen Compilation "The Disco Boys - Volume 9" erschienen. Es ist
geplant "The Voice" als 2. Single noch in diesem Herbst auszukoppeln. Für
weitere Remixe sind wir noch
auf der Suche nach Remixern.
http://www.discoboys.de/
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